flying dolphins

Die kleinen Delfine

Märchen und GeschichtenEin Weihnachtswunsch

 

 Ein Weihnachtswunsch -

.....wie der Bär zurück in den Wald kam.
Es war einmal, in einer Zeit als Träume noch Wünsche und die Wünsche noch Träume waren.
Da lebten in einem Dorf am Rande eines großen dunklen Waldes zwei Kinder, Miros und Mirinda. Miros war ein kleiner Junge, vor ein paar Wochen war er vier Jahre alt geworden. Seine Schwester Mirinda aber war schon sechs Jahre alt und gerade in diesem Jahr in die Schule gekommen. 

Die Eltern der Kinder hatten in dem Dorf einen kleinen Krämerladen, da gab es so ziemlich alles zu kaufen was die Menschen für ihren täglichen Bedarf benötigten. Ob das nun ein Stück Käse war, eine saure Gurke, eine Tüte Gummibärchen , ein Glas Marmelade oder ein paar Schnürsenkel, vielleicht auch ein Päckchen Nudeln oder eine Rolle Bindfaden. Es schien, als würde es keinen noch so ausgefallenen Wunsch geben, der nicht zu erfüllen wäre, wenn der Vater oder die Mutter nur lange genug in all den Regalen und Schachteln und Kisten des Ladens  herumkramten und suchten.

Als neulich die alte Witwe Haberstroh zu ihrem 77. Geburtstag himmbeerrote Servietten mit Goldrand und Rosenmuster und dazu passende Kerzen haben wollte, was soll ich Euch sagen, die Mutter brummte nur, „Na, da wollen wir doch mal nachsehen“, schob ein paar Kisten von hier nach da und schwubs, schon zog sie unter einem Stapel Putztücher und Schulheften die Servietten hervor, natürlich himbeerrot mit Rosenmuster und Goldrand. Dann griff sie zielsicher in ein Regal, öffnete eine Schachtel und hielt die passenden Kerzen in der Hand. Die Witwe Haberstroh strahlte über das ganze Gesicht und alle waren zufrieden.

Nun war auch in diesem Jahr wieder die Zeit herangekommen, in der die Tage kürzer wurden, von den Bergen herab pfiff ein eisiger Wind und an einem Morgen hatte sich auch schon der erste Schnee wie ein feiner dünner Schleier über Häuser und Straßen gelegt. Der Kirchturm des Dorfes sah aus, als hätte ihm jemand eine weiße Zipfelmütze aufgesetzt.
Im Laden roch es jetzt nicht mehr nur nach Bohnerwachs, Käse und sauren Gurken, sondern über allem schwebte der kräftige Geruch der Pfefferkuchengewürze und neben der Kasse stand ein Glas mit bunten Schokoladenkringeln. Unter der Decke hing der Adventskranz mit vier dicken roten Kerzen; na, ihr habt es längst erraten, Weihnachten stand vor der Tür.
Auch das Dorf hatte sich verändert. Rings herum um die Kirche war ein Weihnachtsmarkt aufgebaut worden.
An den Ständen schaukelten Laternen  im Wind, hüllten den ganzen Platz in ein flackerndes, warmes Licht. Der Weihnachtsbaum vor der Kirche strahlte im hellen Lichterglanz.
Über dem Platz wehte ein köstlicher Duft von Zimt, Gewürznelken und Kardamom, eingehüllt in einen feinen Vanilleduft. Kandierte Äpfel wurden verkauft und die Bratwürste brutzelten auf dem Holzkohlengrill. An einem Stand gab es bunte Glaskugeln, Honigwachskerzen und bunt angemaltes Holzspielzeug. Hier stand Miros am liebsten und konnte gar nicht aufhören sich auszumalen wenn diese tolle Holzeisenbahn für ihn zu Hause unter dem Weihnachtsbaum stehen würde.
Doch Mirinda zog ihn wieder einmal fort, hinüber zu dem Karussell. Dann schlenderten sie weiter und mit einem Mal lag der Festplatz hinter ihnen und sie befanden sich in einem Teil des Dorfes, den sie kaum kannten. Hier waren die Häuser klein und windschief, hier war es dunkel, die Fensterläden  waren geschlossen, kein Lichtstrahl drang hinaus auf die winkelige Gasse.
Miros ergriff die Hand seiner Schwester. Da drang in ihre Nasen der beizende Geruch von feuchtem, qualmendem Holz. Und als sie schließlich um eine Ecke bogen, erblickten sie am Rande eines kleinen Platzes eine dunkle Gestalt, die sich über ein kleines kokelndes Feuer beugte. Eingehüllt in einen grauen Überwurf, die Fellmütze in die Stirn gezogen, war das Gesicht des Mannes kaum zu erkennen.

Während Miros noch wie gebannt auf den Mann starrte, zuckte seine Schwester zusammen. „Da!“ stieß sie hervor und zeigte mit ihrer Hand hinüber zu einer alten Scheune. Dort stand, im Schatten der verwitterten Holzwand, ein klappriger Wagen auf dem ein Käfig befestigt war. Hinter den schwarzen Eisenstäben kauerte ein dunkler Schatten. Dieser begann sich plötzlich zu bewegen, richtete sich auf, wurde größer und größer - und jetzt konnten die Kinder es ganz deutlich sehen, in dem Käfig war ein Bär gefangen. Das Tier versuchte sich auf die Hinterbeine zu stellen, doch der Käfig war viel zu eng und das Dach zu niedrig und so stütze es sich mit seinen Vorderpfoten gegen die Gitterstäbe. Dann öffnete der Bär sein Maul und ließ ein tiefes, klägliches Brummen ertönen.

Die Kinder drückten sich ängstlich aneinander.

In diesem Augenblick sprang der Man am Feuer mit einem Satz auf und schrie mit kreischender Stimme „Du Bestie, du Ungeheuer!“. Dabei griff er nach einem dicken Knüppel und schlug dem Bären mit voller Wucht auf seine Tatzen.
Das Tier heulte laut auf, fiel polternde gegen die Gitterstäbe und sackte wieder in der Ecke zusammen.

„Du tust dem Bären weh!“ rief Mirinda laut und ballte ihre Fäuste. Sie zitterte vor Angst und Empörung. Gewiss, sie hatte sich erschrocken, aber den Bären  so zu schlagen.
Da drehte sich der Mann blitzschnell um und schrie die Kinder an „Was habt ihr hier zu suchen? Macht das ihr fortkommt!“

Erschrocken zuckten die beiden zusammen, fassten einander an die Hände und rannten so schnell sie konnten davon.

Als Miros und Mirinda am Abend in ihren warmen Betten lagen, konnten sie lange noch nicht einschlafen.
„Hast Du das gesehen?“ fragte Mirinda ihren Bruder, „am Hals hatte er lauter wunde Stellen von dem zu engen Halsband“ und ihre Stimme war voller Mitleid mit dem Schicksal des Tieres.
„Ja, und außerdem ist der Käfig viel zu eng für einen so großen Bären, der kann sich ja darin überhaupt nicht bewegen“ entrüstete sich Miros und er fühlte wie eine Träne über sein Gesicht rollte.

Sie stellten sich vor, wie der Bär jetzt frierend in einer Ecke des zugigen kalten Käfigs lag und je länger sie tuschelten und wisperten, um so klaren wurde ihr Entschluss, wir müssen den Bären befreien!
Doch dann fielen ihnen die dicken Gitterstäbe wieder ein und das schwere Vorhängeschloss und sie merkten, das es nicht so einfach war für zwei kleine Kinder, einem Bären zu helfen.
„Wir müssen es ganz doll wünschen“, murmelte Mirinda, als ihr die Augen schon fast zugefallen waren, „Hm, ja das machen wir“, die Stimme ihres Bruders war kaum noch zu hören.

Als dann schließlich der Mond aufging und mit einem Lichtstrahl durch das Fenster in ihre Betten schaute, waren die beiden endlich bekümmert eingeschlafen.
Doch da; die Kirchturmuhr hatte gerade zwölf mal geschlagen, wurde es hell im Zimmer der beiden Kinder und dieses Leuchten hatte nicht der Mond durch das Fenster gebracht. Dieses Licht strahlte so sehr, dass es sogar die Träume der beiden Kinder erhellte. Blinzelnd und verschlafen erblickten Miros und Mirinda in der Mitte des Zimmers eine hell strahlende Gestalt.

„Oh! Wo kommst Du denn her? Wer bist Du?“ fragten die beiden wie aus einem Mund, ganz überrascht und beide wunderten sich, dass sie sich überhaupt nicht fürchteten.
„Ich bin die Fee des Waldes,“ antwortete ihnen eine helle klare Stimme und ich habe Eure Wünsche gehört und bin gekommen, um zu helfen“.

Kurze Zeit später huschten zwei kleine Gestalten über den Festplatz des Weihnachtsmarktes, doch sie schauten nicht nach links oder rechts, sondern hatten nur ein Ziel, den Bärenkäfig. Es war bitter kalt und obwohl der frisch gefallenen Schnee bei jedem Schritt unter den Füßen der Kinder knirschte, so hinterließen ihre kleinen Stiefeln keine einzige Spur im Schnee.

Schließlich hatten sie den Platz hinter der Scheune erreicht ereicht. Das Feuer glimmte nur noch, der Mann war nicht mehr da. Langsam näherten sich Miros und Mirinda dem Käfig. Da lag der Bär, in die Ecke gekauert und - er schaute die beiden Kinder an.

„Wir sind gekommen um dich zu befreien“, flüsterte Mirinda und Miros nickte aufgeregt mit dem Kopf.

Der Bär richtete sich zögernd auf und dann brummte er matt: „Das ist lieb von euch, doch was könnt ihr denn schon gegen diese dicken Gitterstäbe ausrichten, wo nicht mal meine Kraft ausreicht, sie auseinander zu biegen?“

„Wir sind nicht alleine gekommen“, Miros konnte einfach nicht mehr flüstern, „wir haben die Fee des Waldes mitgebracht“ rief er nun dem Bären zu.

In diesem Augenblick stand die helle strahlende Lichtgestalt wie ein Schutzengels zwischen den beiden Kindern, ihr Leuchten drang bis in den hintersten Winkel des Käfigs.

Der Bär warf seinen Kopf hin und her und brummte aufgeregt. Plötzlich hielt die Fee einen silbernen Stab in der Hand und berührte damit den Käfig. Ein Funke sprang über, die Käfigstäbe strahlten für einen Augenblick mit unvorstellbarer Helligkeit und dann war der Käfig verschwunden.

Es war wieder dunkel auf dem Platz hinter der Scheune. Nur das fahle Licht des Mondes ließ die Kinder erkennen, wie sich der Bär in seiner ganzen Größe aufrichtete. Er wandte sich den Kindern zu und brummte freundlich: „Ich danke euch, für euer Mitgefühl und für euren Mut, das werde ich euch nie vergessen“. Dann drehte er sich um und stapfte über den schneebedeckten Acker davon, direkt auf den Wald zu, seine Umrisse wurden kleiner und kleiner bis er hinter einer Bodensenke verschwunden war.

Am nächsten Morgen herrsche im Dorf große Aufregung. Der Bär war fort, der Bär war fort, voller Aufregung sprachen die Menschen miteinander.

Die alte Witwe Haberstroh schüttelte ihren Kopf voller Aufregung hin und her, dass ihr weißen Löckchen hüpften: „Ein Weihnachtswunder! Ein Weihnachtswunder! Wer hat denn so etwas schon mal erlebt?!“ murmelte sie.
Niemand im Dorf hatte etwas bemerkt. Es gab keine Spuren, nicht einmal im Schnee und alle rätselten, wie konnte ein solches Wunder geschehen?

Nur die beiden Kinder, Miros und Mirinda, sie schauten sich an, blinzelten sich zu und erinnerten sich an ihren Traum und an ihren Wunsch, der in Erfüllung gegangen war.

 

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