flying dolphins

 Die kleinen Delfine

Märchen und GeschichtenNikolausnacht  

 

Nikolausnacht ...

Es war einmal zur Weihnachtszeit, draußen wehte ein eisiger Wind, und die nackten Füße eines kleinen Mädchens tapsten den roten Teppich eines langen Flurs entlang. Den ganzen Tag war sie durch den dicken Schnee gelaufen, das knirschte so schön unter den Schuhen, und sie kannte noch nicht genug Zahlen um sagen zu können, wie oft sie mir ihrem Schlitten den Hügel ´runtergefahren und wieder hinaufgestapft war. Nun hatte Mama ihr eine warme Badewanne bereitet, schnell schlüpfte sie unter die weiße Decke aus Schaum und fühlte sich wie ein Schneemann, der langsam auftaut. „Mach nicht zu lange, Sanni", rief die Mama aus der Küche, „ Du musst doch noch Deine Stiefel putzen!" ... Stimmt ja! Morgen war Nikolaus! Und es hieß, wenn der Nikolaus freundliche Schuhe von gut geputzten Kindern an der Haustür fand – nein, Moment – wenn er gut geputzte Schuhe von freundlichen Kindern fand, dann, ja, dann würde er sicher etwas hineintun.
Jedes Jahr schrubbte und putzte und bürstete und polierte Sanni ihre Schuhe. Und jedes Jahr hatte sie im Bett gelegen und sich vorgenommen zu lauschen, bis der Nikolaus kam – und war immer wieder vorher eingeschlafen.
Nun saß sie in der Badewanne – sie probierte gerade aus, ob sie mit ordentlich Schaum am Kinn aussah wie ein Weihnachtsmann – und dachte sich „Das wird in diesem Jahr anders!". Sie stieg aus der Badewanne, wickelte sich in das flauschige Handtuch, das zum Wärmen auf der Heizung lag – das mit den Enten drauf - und beeilte sich sehr mit dem Abendbrot und dem Schuhe- und Zähneputzen. Nach dem Sandmann ging sie – ohne das die Eltern sie auffordern mussten – sofort in ihr Bett. Habt Ihr so was schon erlebt?!
Niemand hatte gesehen, daß sie sich schnell die Augen zugehalten hatte, als der Sandmann den Traumsand warf...
Sobald ihre Eltern im Wohnzimmer vor dem Fernseher saßen, schlich sich das kleine Mädchen auf Zehenspitzen aus ihrem Zimmer. Wieder tapste sie den Flur entlang, schlich wie eine Katze auf leisen Pfoten zur Eingangstür. Dort nämlich, direkt an der Tür, wo sie ihre Stiefel abgestellt hatte, gab es eine kleine Nische - eine Art Abstellkammer für allerlei Krimskram wie Putzlappen und Wäscheklammern und Besen - die durch einen Vorhang vom Flur abgetrennt war.
Hier war es nicht sonderlich gemütlich, aber, so dachte sich Sanni, hier wäre ein wunderbarer Beobachtungsposten – und so begann sie ihre Nachtschicht und wartete mit großen wachen Augen auf den Nikolaus.
Die Stunden vergingen.
Ein kalter Luftzug wehte durch die Ritzen der Wohnungstür und Sanni kuschelte sich ein wenig an die Kittelschürzen, die dort in der Nische an der Wand hingen. Sie erinnerte sich an die leckeren Dinge, die der Nikolaus ihr im letzten Jahr in die Stiefel getan hatte – aber von dem war immer noch nichts zu sehen.
Und wie Sanni begann, ab und zu die Augen zu schließen und an gebrannte Mandeln und Plätzchenteig und den Duft von Tannenzweigen zu denken, begannen vor ihren Augen winzige kleine Sterne zu tanzen.... und sie sah durch den Vorhang ein helles und warmes Leuchten...

Am nächsten Morgen erwachte sie in ihrem Bett. Wie sie dorthin gekommen war, wusste sie nicht. Sonderbar. Wer hatte sie in ihr Bett getragen? Ob der Nikolaus.... ?
Schnell wie ein Schneeball sauste sie aus dem Bett und flitzte zur Tür.
Und was, glaubt ihr, hat sie dort gefunden?
Buntes Papier knisterte und es roch nach Nüssen und Mandarinen, nach Datteln und Schokolade ...

(© Susanne Riedel., Dezember 1975 / 2008)

 

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