flying dolphins

Die kleinen Delfine

Märchen und GeschichtenAdventskalender

 

Der verhexte Adventskalender - 

 

Es war einmal zu einer Zeit vor dieser Zeit, als Wünsche noch Träume und Träume noch Wünsche brachten, da lebte mitten in einer großen Stadt in einem ziemlich hohen Haus ein kleiner Junge mit seinen Eltern. Der kleine Junge hieß Johannes, aber seine Eltern nannten ihn eigentlich nur „Hannes", was er im Allgemeinen ziemlich doof fand. Ganz besonders schlimm war es, wenn Tante Luise zu Besuch kam und mit süßer Stimme voller Entzücken rief: "Na, wie geht es denn unserem Hänschen, unser Hänschen ist aber groß geworden, und passt Du denn auch gut ich der Schule auf?"

Dabei wusste jeder, dass Johannes fünf Jahre alt war und in den Kindergarten ging, allerdings hier in seiner Gruppe einer der Ältesten war.

Nun war die Zeit gekommen, die Tage wurden kürzer und wenn die Mama oder der Papa Johannes vom Kindergarten abholten, dann dämmerte es draußen schon ehe sie zu Hause ankamen, waren die Straßenlaternen schon eingeschaltet.

Schon längst hatte Johannes entdeckt, dass es im Supermarkt in den Regalen schon viele bunte Süßigkeiten gab, die deutlich darauf hinwiesen: Weihnachten steht vor der Tür.

Und dann kam die erste große Vorweihnachtsüberraschung. Es war der Morgen des ersten Dezember und als Johannes nach dem Zähneputzen ins Wohnzimmer marschierte, um seinen kleinen gelben Ball zu suchen – da verschlug es ihm die Sprache. Ja! An der Wand, direkt hinter dem großen Esstisch hing der Adventskalender. Und was war das für ein toller Kalender. 23 kleine Säckchen, aus grünem Filzstoff gefaltet hingen da einer roten Schnur, die quer über die Wand gespannt war. Auf jedes Säckchen war mit einem Goldstift eine Zahl geschrieben, von 1 -23. 23? Werdet ihr nun wohl fragen. Na klar, es waren natürlich 24 Säckchen, doch das 24. war deutlich größer als alle anderen und versprach eine besondere Überraschung.

So einen tollen Adventkalender hatte es noch nie gegeben und als Johannes sich umdreht um vor Freude laut zu rufen, stand die Mama hinter ihm und er fiel ihr mit einem aufgeregten Jauchzer um den Hals.

„Du darfst jeden Tag ein Säckchen abschneiden", sagte die Mama und reichte ihm eine Schere. „Aber immer nur ein Säckchen!" mahnte der Papa, während er auf dem Flur draußen vorbeiging.

„Ich möchte, dass Du immer wartest, bis einer von uns dabei ist", sagte die Mama „um dir die Schere zu geben und den Stuhl zu halten" ergänzte sie.

„Ich kann schon alleine schneiden", Johannes war ein bisschen beleidigt, dass die Mama, das vergessen hatte.

„Ja, ich weiß" sagte sie, „aber wenn du mit der Schere auf dem Stuhl stehst, „besser ist besser!"

Dabei schob sie einen Stuhl vom Esstisch zur Wand, Johannes kletterte auf den Stuhl und „Schnipp – Schnapp" hatte er mit der Schere das Säckchen mit der „1" abgeschnitten.

„Na das ging ja prime" lobte die Mama und als der Papa wieder auf dem Flur vorbei kam ergänzte er noch „Na wie haben ja auch schon einen großen Jungen". Dann gab er der Mama einen Kuss, „So, jetzt muss ich aber schnell los, zur Arbeit und dann beugte er sich zu Johannes herüber, der noch auf dem Stuhl stand. „Tschüss, mein Jonny, bis heute Abend, heb mir was auf!"

Johannes grinste und dabei machte er eine krause Nase, aber er hatte jetzt überhaupt keine Zeit, sich um den Papa zu kümmern denn jetzt fühlte er mit beiden Händen um heraus zu finden, was sich wohl für eine Überraschung in dem Säckchen verbarg?

„Bis heute Abend, ihr beiden" rief der Papa noch einmal und dann fiel die Tür krachend ins Schloss.

Johannes hielt das Säckchen in der Hand, etwas knisterte darin. Nachdem er die Schleife aufgezogen hatte, kam ein kleines Tütchen mit Gummibärchen zum Vorschein.

„Hhmmm!" Johannes strahlte. „Aber nicht alle auf einmal! Die Mama hob lachend den Zeigefinger und schmunzelte. Im Kindergarten hatte Johannes an diesem Morgen viel zu erzählen.

So vergingen nun Tag um Tag, jeden Tag gab es eine kleine Überraschung und Weihnachten rückte immer näher.

Die Vorfreude wurde immer größer, die Spannung wuchs von Tag zu Tag und es war überhaupt eine wunderbare Adventszeit, bis zum letzten Sonntag vor Weihnachten. Eigentlich hatte es schon am Samstagabend begonnen.

„Johannes", sagte am Abend der Papa mit ernster Mine zu seinem Sohn, „Johannes, du bist doch jetzt schon groß"

„Na klar!" strahlte Johannes, wollte der Papa mit ihm etwa am Abend auf den Weihnachtsmarkt gehen?

„Na das wusste ich doch" erwiderte der Papa und dabei schaute er seinen Sohn lachend an.

„Dann schaffst du es doch bestimmt, morgen mal etwas länger zu schlafen"

Etwas länger? „Klar" sagte Johannes, „na klar, schaffe ich das".

„Prima!" der Papa strahlte noch mehr, „dann können die Mama und ich ja morgen ausschlafen".

Ach das war die Überraschung, Johannes war doch ein wenig enttäuscht, aber er ließ sich nichts anmerken.

Nachdem der Papa ihm noch eine Getenachtgeschichte vorgelesen hatte war er dann auch bald eingeschlafen.

Als Johannes am nächsten Morgen das erste mal wach wurde, war es draußen noch dunkel. Er lauschte, überall war es still, nur eine Klospülung rauschte irgendwo. Er schlich sich hinaus auf den Flur, die Tür zum Schlafzimmer seiner Eltern war geschlossen.

Schnell huschte er wieder zurück in sein Zimmer und kuschelt sich unter die noch warme Bettdecke. Dann kniff er die Augen zusammen und nahm sich ganz fest vor, noch einmal einzuschlafen.

Als er die Augen wieder öffnete, war es draußen noch immer dunkel und in der ganzen Wohnung war kein Laut zu hören.

Nachdem er noch zweimal versuchte er wieder einzuschlafen, er nahm es sich wirklich ganz fest vor. Als danach seine Augen wieder geöffnet hatte,

schoss ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf.

„Du könntest doch schon mal nach dem Adventkalender schauen", sagte ein innere Stimme zu ihm. „Nein!", sagte eine andere Stimme, „Die Mama hat gesagt, du sollst das nicht alleine machen". „Aber dann kann die Mama doch jetzt noch ein bisschen länger schlafen, wenn du schon mal mit dem Adventskalender anfängst!" „Aber du sollst nicht alleine mit der Schere auf den Stuhl klettern" gab die zweite stimme zu Bedenken. „Da hast du an allen anderen Tagen auch ganz prima hingekriegt. Die Mama und der Papa haben dich dafür jedes mal sehr gelobt". So sausten die Gedanken in seinem Kopf hin und her, bis er schließlich mit der Schere auf dem Stuhl stand, das Säckchen mit der „17" abzuschneiden.

Gerade wollte er die Schere hochheben, da bemerkte er, wie das lange rote Band an dem die Säckchen hingen, sanft hin und her schaukelte. Er schaute das Band genauer an, schaute sich die anderen Säckchen an, doch da, was war das? Das letzte Säckchen, das mit der „24", das auch etwas größer war als alle anderen, es bewegte sich. Schaukelte hin und her, also, es zappelte sogar. 
Johannes, er stand ja auf dem Stuhl, beugte sich hinüber zu dem Säckchen Nummer "24", um genauer zu untersuchen, was da los war. Jetzt konnte er es ganz deutlich sehen, in dem Säckchen bewegte sich etwas.

Johannes streckte seinen rechten Arm aus, um nach dem Säckchen zu greifen. In diesem Augenblick schob sich eine spitze Schnauze mit weit abgespreizten Barthaaren aus dem dem Säckchen und zwei schwarze Knopfaugen funkelten Johannes an.

„Eine Maus" rief er und weil er so einen großen Schreck bekommen hatte kann man sagen, schrie er. Und dann noch einmal: „Eine Maus!" Doch weil er sich gerade so weit hinüberbeugt hatte und nun einen solchen Schreck bekam, verlor er das Gleichgewicht, der Stuhl kippte um, Johannes polterte auf den Boden und riss dabei dabei das rote Band mit den restlichen Säckchen des Adventskalenders von der Wand.

Einen Augenblick lang war es muchsmäuschenstill in der Wohnung.

Dann flog die Schlafzimmertür auf. Johannes Mama kam in das Wohnzimmer gestürmt.

„Junge, was ist passiert?!" riefe sie voller Besorgnis. Hinter ihr drängte sich der Papa durch die Tür. „Na siehst du doch, am Adventskalender war er!" Papas Stimme klang ziemlich ärgerlich.

Johannes schluchzte, „Ich wollte euch doch schlafen lassen"

„Na, prima" der Papa grollte, erst verzog er das Gesicht, dann schüttelte er den Kopf, „hat man so etwas schon gesehen, kannst du denn gar nicht nicht abwarten?"

„Ich habe, ich wollte, ich dachte und dann war da doch die Maus" Johannes stotterte und versuchte zu erklären, was geschehen war.

„Und was ist das da, der angeknabberte Müsliriegel in der "24" und der Playmo-Ritter auf dem Fußboden".

Playmo-Ritter? Wo? Den hatte Johannes noch gar nicht gesehen, der war wohl aus dem Säckchen gefallen, zusammen mit dem Müsliriegel.

Doch den Ritter konnte er erst einmal vergessen.

Soviel er auch versuchte, seinen Eltern zu erklären, was geschehen war, die Geschichte mit der Maus glaubten sie ihm nicht und so kam es, dass die ganzen restlichen Tage bis zum Weihnachtsfest in einer ziemlich bedrückten Stimmung vergingen.

„Ich dachte, ich kann mich auf dich verlassen" sagte die Mama und der Papa grummelte, „das hätte ich aber nicht gedacht".

Johannes war genickt und traurig, was würde jetzt aus Weihnachten werden. Sein Wunschzettel, was würde der Weihnachtsmann zu der ganzen Geschichte sagen. Würde der Weihnachtsmann an die Maus glauben?

So kam schließlich der Heilige Abend heran.

Draußen wurde es langsam dunkel, in den Fenstern leuchteten Lichterketten und in den Wohnungen strahlten bald die ersten Tannenbäume.

Johannes saß mit seinen Eltern im Wohnzimmer, Oma Frida und Tante Luise waren auch da – dann kam der aufregende Augenblick: Der Papa zündete die Kerzen am Weihnachtsbaum an. Ob der Weihnachtsmann die Kerzen sehen würde?

In diesem Augenblick klopfte es draußen an der Tür. „Na, vielleicht der Postbote", sagte der Papa, „kommt aber spät heute". Dann ging er hinaus, um die Tür zu öffnen.

Der Postbote, Johannes verzog das Gesicht, manchmal hatte der Papa aber auch wirklich keine Ahnung.

Da polterte es draußen. „Hier lang, Herr Weihnachtsmann", das war Papas Stimme.

Und dann stand der Weihnachtsmann in der Tür.

„Also das war so" Johannes sprudelte sofort los, er hatte sich genau überlegt, wie er dem Weihnachtsmann erzählen wollte, was am vergangenen Sonntagmorgen geschehen war.

„Nun mal langsam" sagte der Weihnachtsmann mit tiefer Stimme, „lass mich erst einmal meinen Sack absetzten und dann sehen wir weiter".

Der Weihnachtsmann stellte seinen Sack auf den Boden, dann lies er sich schnaufend in einen Sessel fallen und sagte: „Nun erzähl doch mal Johannes, was da am letzten Sonntag passiert ist".

Aha, dachte Johannes. der Weihnachtsmann weiß ja wohl schon ein bisschen bescheid. Aber er wunderte sich nicht wirklich darüber, schliesslich war das ja der Weihnachtsmann.

Dann stand er schließlich vor dem Weihnachtsbaum und begann die ganze Geschichte zu erzählen. In dem Moment, als er davon berichtete, wie das Säckchen mit der "24" geschaukelt hat und als er gerade sagte: "dann schaute da eine Maus aus dem Säckchen",  da stieß Tante Luise einen schrillen Schrei aus: „IIIIHHHHHH, eine Maus"

„Aber Frieda" sagte der Weihnachtsmann, „Ich meine, Frau Wuppke, was haben Sie denn, erschreckt sie das so, was der Junge da erzählt"

„Aber sieh doch, ich meine seht doch, da, dort!"

„Wie, Wo, was denn?" der Papa beugte sich aufgeregt zu seiner Schwester hinüber.

„Kinder, nun macht doch nicht so'n Theater," das war die Oma, die sich nun einmischte, „da unterm Weihnachtsbaum sitzt ne kleene Maus. Na und, hatten wa früher immer inna Küche, und nicht nur eene."

„Ja Mutti, aber da wohntest du ja noch auf dem Land" beeilte sich die Mama von Johannes zu sagen.

Johannes schaute sich um, bückte sich ein wenig und rief: „Ja, das ist sie, die Weihnachtsmaus!"

„Die Maus muss raus" knurrte der Papa, bückte sich nun ebenfalls und versuchte mit einem leeren Papierkorb die Maus zu fangen.

Die Maus überlegte sich das aber anders und flitzte am Stamm des Weihnachtsbaumes empor.

Nun gab es ein großes Durcheinander. Alle redeten gleichzeitig, jeder machte Vorschläge und als sie genauer hinschauten, war die Maus verschwunden.

„Also" der Weihnachtsmann hatte sich mühsam aus dem Sessel erhoben, „also da kann ich nur sagen, dieser Junge hat die Wahrheit gesprochen. Dass sollten sich die Eltern jetzt mal zu Herzen nehmen." Dabei klopfte er Johannes aufmunternd auf die Schulter.

Mama kam, beugte sich zu ihm runter, drückte ihn und gab ihm einen Kuss und murmelte dabei: „Es tut mir leid, mein Junge!" und dann nahm der Papa ihn sogar auf den Arm, knuddelte mit ihm und brummte: „Mit tut es auch leid, Jonny, dass ich dir nicht geglaubt habe"

Da begann Johannes auf dem Arm von Papa zu strampeln und zu zappeln, denn der Weihnachtmann hatte sich gerade über den Sack gebeugt und das erste Päckchen hervorgezogen. 

Es wurde ein wunderschöner Weihnachtabend und noch viele Jahre später mussten alle lachen, wenn jemand vom verhexten Adventkalender erzählte oder die Weihnachtsmaus erwähnte.

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