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Briefe an Jokaste

Briefe an Jokaste, sind Briefe des abwesenden Mannes, des liebenden Mannes, des leidenschaftlichen, sehnsuchtsvollen Mannes. Es sind auch Briefe des abwesenden Vaters, des Vaters, der aus unterschiedlichen Gründen nicht mit seiner Frau und seinem Sohn zusammen lebt.

In der griechischen Mythologie ist Jokaste die Mutter von Ödipus, ihr Mann, sein Vater, ist der König Lajos. Die Mythologie berichtet, dass Ödipus seinen Vater ermordet  und seine Mutter geheiratet hat.
FREUD verwendet diesen Mythos als Beleg für seine Behauptung, jeder Junge würde in einem bestimmten Alter seine Mutter begehren und in einer, wenn auch unbewussten Eifersuchtshandlung, den Tod des Vaters anstreben. Die aus diesen Wünschen resultieren Schuldgefühle mit all seinen Begleiterscheinungen, nannte FREUD, den Ödipuskomplex. Das alles geschieht in einem bestimmten Lebensabschnitt, in der ödipalen Phase. 
Solche Begriffe geistern nun gleichermaßen sowohl durch die Umgangssprache als auch die psychologische Fachliteratur. Das tückische an ihnen ist, dass sie sich verselbständigen, sie gewinnen gewissermaßen ein Eigenleben. Wird ein Begriff verwendet, so scheint er eine innere Wahrheit auszustrahlen, trägt in sich seine eigene Fachautorität und es ist so einfach, sich in stillschweigendem Übereinkommen darauf zu verständigen. Jeder meint, dass er weiß, dass er denkt, was gemeint ist.
Wie war das eigentlich, als Ödipus seinen Vater umgebracht hat? Hat er ihm heimlich aufgelauert und dann heimtückisch ein Messer in den Rücken gestoßen, um anschließend in das Bett der Mutter zu springen? Wie heißt eigentlich die Geschichte hinter der Geschichte?
Vielleicht könnte es sich lohnen, den Mythos genauer anzuschauen. Wie war es dazu gekommen, dass Ödipus von seinen Eltern ausgesetzt worden war? Sie hatten das Orakel befragt. Es ging um ihre gemeinsame Beziehung, als Frau und als Mann. Sie waren sich unsicher, als Paar. Sie haben sich später nicht die Mühe gemacht, den vom Orakel prophezeiten Mord zu verhindern. sondern ihren Sohn verstoßen. Die Geschichte handelt also von der Verantwortung der erwachsenen Menschen, nicht von den Bedürfnissen der Kinder.
Es geht auch um die Verantwortung der Eltern in der Beziehung zu ihren Kindern, heute, immer dann, wenn von Ödipus die Rede ist. Die Frau und der Mann, als Liebespaar haben sie zueinander gefunden. Mit der Geburt ihres Kindes wurden Mann und Frau, Mutter und Vater, das Liebespaar - Eltern. 
Die spannende Frage heißt: Gelingt es den beiden, Eltern zu werden und Liebespaar zu bleiben? Und was geschieht, wenn eine Person gar nicht anwesend ist, physisch oder psychisch? Und warum ist diese Person, hier soll es der Vater sein, nicht anwesend? viele Fragen.
Die Briefe an Jokaste werden darauf keine Antwort geben. Sie erzählen Geschichten, malen Bilder, aus der Perspektive des Mannes, mit seinen Gefühlen, werden Beziehungen beschreiben, zwischen Frauen und Männern.

Briefe an Jokaste, sind Briefe des abwesenden Mannes, des liebenden Mannes, des leidenschaftlichen, sehnsuchtsvollen Mannes. Es sind auch Briefe des abwesenden Vaters, des Vaters, der aus unterschiedlichen Gründen nicht mit seiner Frau und seinem Sohn zusammen lebt.

 

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